ONLINE.mobil LAB #3 – COVID-19 und das Tracking der Bewegungsdaten

OOML 3 – ONLINE mobil LAB zu Mobilität Covid-19, Technologien für Tracking und Mobilitätserhebungen

Soll die Bundesregierung Mobilfunkdaten für die Nachverfolgung von Ansteckungen temporär verwenden dürfen?

Die Diskussion rund um das Tracking von Bewegungsdaten im Zuge von Covid-19 ist, spätestens seit der Präsentation der Grafik in der Zeit im Bild über die Abreisenden aus Ischgl, in aller Munde.

Wie weit darf die offizielle Hand in der Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung gehen, um genau jene in dieser Krisen-Zeit zu schützen? Bewältigung der Krise zum Preis des Datenschutzes?

In diesem Spannungsfeld diskutierten vergangenen Dienstag Michael Cik, Forscher an der TU Graz und Co-Founder von Invenium und Fabian Fischer, Experte für Critical Data Studies an der TU Wien. Die Daten für die Zeit im Bild Grafik stammen von A1 und wurden von Invenium ausgewertet.

Um die Ausbreitung von COVID-19 zu reduzieren ist es wichtig, dass die Menschen auf soziale Distanz gehen. Damit einher geht eine starke Reduktion der Mobilität. Die Bewegung der Personen kann durch die anonymisierte und gebündelten Mobilfunkdaten großräumig beobachtet werden. Invenium zeigt auf #bleibdaheim diese Analyse auf Gemeinde-Ebene. Die Bevölkerung in Österreich bleibt im Vergleich zum Tag vor Beginn der Maßnahmen um 21% mehr daheim. Für Michael Cik ist diese Darstellung als positives Zeichen für die Bevölkerung gedacht. Allerdings führte es auch dazu, dass Gemeinden, wo die Mobilität kaum gesunken ist, negativ wahrgenommen wurden. Damit einher geht allerdings auch die Frage: warum bewegen sich die Personen dort weiterhin? Und damit auch die Annahme, dass die Versorgung für den alltäglichen Bedarf und Gesundheitseinrichtungen, nicht in der Gemeinde vorhanden sind.

Dabei ging Michael Cik insbesondere auf die Eigenheiten der, durch Mobilfunkdaten ermittelten, Bewegungsdaten ein. Diese unterscheiden sich stark von GPS-basierten Daten, mit denen man die Position und somit die Wegekette bis auf wenige Meter genau nachverfolgen kann. Dies geben die Daten der Mobilfunkanbieter nicht her. Hiermit können nur ungefähre Positionen berechnet werden – dennoch lassen sich Schlüsse ziehen, inwiefern die, von der Bundesregierung getroffenen, Maßnahmen eingehalten werden.

Während der Diskussion gab es mehrere interaktive Umfragen zum Thema Mobilitätsdaten. Dabei kam heraus, dass für die meisten TeilnehmerInnen des ONLINE.mobil Labs „tracking“ ein sehr sensibles Thema ist und wird vor allem mit dem Wort „Überwachung“ assoziiert.

Und zur anfänglichen Frage: „Soll die Bundesregierung Mobilfunkdaten für die Nachverfolgung von Ansteckungen temporär verwenden dürfen?“ – Wenn es nach den TeilnehmerInnen des OOML ginge: ein klares NEIN.*

 

* Anmerkung: Diese Frage wurde zu Beginn der Diskussion gestellt und ist in diesem Zusammenhang leicht missverständlich. Die Nachverfolgung von Ansteckungen lässt sich durch die  Analyse der Mobilfunkdaten nicht überprüfen. Dafür wäre die Auswertungen von anderen Technologien, die präzise engen Kontakt zwischen Personen messen können (zB Kombination von GPS und Bluetooth), nötig.