Seestadt
unterwegs

Teil 1: Von U-Bahnen, Bussen und eigener Initiative

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Wien, 01.11.2020

Die Öffentliche Verkehrsanbindung der Seestadt, vor allem die U-Bahn Linie U2, war von Anfang an die Mobilitäts-Pulsader für viele Seestädter*innen: Einerseits um in umliegende Teile der Donaustadt zu gelangen, aber auch, um innerstädtische Teile Wiens zu erreichen.

Das Netz des öffentlichen Verkehrs in der Seestadt wird sich in den kommenden Jahren weiter verdichten, wie es in Planungsdokumenten bereits festgeschrieben ist. Wie aber stehen Seestädter*innen aktuell zum öffentlichen Verkehrsangebot in der Seestadt? Im Rahmen der Mobilitätserhebung haben wir Seestädter*innen auch Fragen zum öffentlichen Verkehr in der Seestadt gestellt.

Das sind ihre Antworten:

Alle Teilnehmer*innen
Hier dargestellt sind die männlichen und weiblichen Teilnehmer*innen der Mobilitätserhebung.
Wir möchten etwas genauer darstellen, welche Ergebnisse wir im Kontext des öffentlichen Verkehrs durch unsere Studie herausgefunden haben.


ÖV-Nutzer*in
Ungefähr 35% der männlichen Teilnehmer und 41% der weiblichen Teilnehmerinnen nutzen den Öffentlichen Verkehr regelmäßig. Regelmäßig meint hier, dass zumindest jeder zweite erfasste Weg mit den Öffis zurückgelegt wurde.

Jahreskarte
Neben der Smartphone-Erhebung haben wir unseren Teilnehmer*innen auch einen Fragebogen gegeben. Eine Frage dort lautet: Besitzen Sie eine Jahreskarte der Wiener Linien?
Die Wiener Linien Jahreskarte kostet 365€ pro Jahr. Das Ergebnis zeigt, dass viele Bewohner*innen eine Jahreskarte besitzen.
Nur knapp 5% der weiblichen Teilnehmerinnen und knapp 18% der männlichen Teilnehmer verfügt über keine Jahreskarte.

Zeit in Öffentlichen Verkehrsmitteln
Viele Wege führen die Seestädter*innen in andere Bezirke Wiens, weshalb trotz direkter U-Bahn Anbindung teils längere Fahrten zurückgelegt werden.
Dies ist jedoch oft kein Problem - sofern die Zeit im Öffentlichen Verkehrsmittel auch genutzt werden kann. Ein Großteil der Teilnehmer*innen gab an, dass dies zutrifft. Nur knapp 9% der Männer und 8% der Frauen gab an, in dieser Zeit keinen anderen Tätigkeiten nachgehen zu können.

Hauptgrund in die Seestadt zu ziehen
Für über 50% der Befragten war die Anbindung durch die U2 ein Hauptgrund, überhaupt in eine Wohnung in der Seestadt zu ziehen. Dies verdeutlichen die Ambitionen, diese Infrastruktur schon früh zur Verfügung zu stellen und laufend zu verbessern (z.B. den Takt weiter zu verdichten). Denn...


... ein Ziel war von Beginn an, ein attraktives Angebot an Öffentlichem Verkehr in der Seestadt zu haben.



Die violette Pulsader

Es war klare Bedingung für die Planungspolitik, dass für eine städtebauliche Entwicklung am ehemaligen Flugfeld Aspern eine hochrangige öffentliche Anbindung an das Stadtzentrum sowie in den umliegenden Bezirk notwendig sind. Zeitgleich mit dem Beschluss die Seestadt zu bauen wurden verschiedene Trassenvarianten der U2 Verlängerung untersucht.

Welches Asterl solls denn sein?


Die Entscheidung fiel auf jenen Ast, der über den Bahnhof Aspern Nord und das noch unbebaute Hausfeld, die Seestadt mit der Innenstadt verbindet. Die Fertigstellung erfolgte bevor ein Großteil der Seestädter*innen ihre neuen Wohnungen bezog: am 5. Oktober 2013. Damals konnte man noch direkt aus einer U-Bahn-Station auf Felder und Wiesen spazieren (wie auch Amateuraufnahmen zeigen) - wahrscheinlich weltweit einmalig.





Zukünftige Seestädter*innen konnten ab 2013 ihre Baustellen komfortabel per U-Bahn besichtigen. Das Gefühl entstand, wie nah die Innenstadt mit der Seestadt öffentlich verbunden ist und damit vorstellbar: ein Leben ohne Auto. Doch nicht nur die U-Bahn und ein autoloses Leben stand auf der Prioritätenliste der Stadt- und Mobilitätsplaner*innen. Ein Mobilitätsmix soll entstehen, ein Mobilitätsangebot, das mit der Seestadt und ihren Bewohner*innen mitwächst. So werden ab 2025 mit Straßenbahnen neue schnelle Verbindungen in die Donaustadt und nach Floridsdorf folgen. Trotzdem ist die U-Bahn aufgrund ihrer Kapazität und der engen Taktung die „violette Pulsader“ in die Seestadt und wieder hinaus. In der Mobilitätserhebung haben 45% der Teilnehmer*innen die violette U-Bahn-Linie täglich unter der Woche benutzt.

45% der Teilnehmer*innen

benutzen die U2 an jedem Werktag.


Die Station Seestadt ist damals wie heute ein zentraler Anlaufpunkt im Leben vieler Seestädter*innen.

Weshalb Anlaufpunkt? Weil 30% der Teilnehmer*innen sich tagtäglich auf den Weg in andere Bezirke (27%) und außerhalb Wiens (3%) machen.



0 min

dauert ein durchschnittlicher ÖV-Weg

0 km

ist ein durchschnittlicher ÖV-Weg lang


Wann fährt die nächste U2?

Und wie es so ist mit den Alltagswegen: Jede*r von uns versucht, diese zu optimieren. Denn: Zu Betriebsbeginn fuhr nur jede zweite U2 auch zur Seestadt. Versäumte man eine U-Bahn, hieß es warten - und zwar bis zu 10 Minuten - also 1,5 Stunden pro Woche wenn die U2 jeden Werktag und in jede Richtung genutzt wird. Doch woher wissen, ob man zur U-Bahn laufen soll oder noch genügend Zeit bleibt?

Erfinderische Menschen mit Seestadtbezug machten sich Gedanken und fanden Lösungen auf diese Fragen.


Die Zeitkugeln im Flederhaus sind ein analoges Beispiel.
Schauen Sie genau hin - wieviele Kugeln leuchten?
Und was haben diese Kugeln mit der U-Bahn zu tun?

Zeitkugeln im Flederhaus

Diese Frage beantwortet uns Jan Lauth und Illina Kokaleska vom Seelab. Sie erzählen die Geschichte der Zeitkugeln in der Seestadt. Die Details - unter anderem zur Umsetzung und den Materialien - sind in der Diplomarbeit von Julia Kunert nachzulesen.



Das Beispiel der Zeitkugeln zeigt, wie viel Dynamik in der Seestadt zu finden ist: Dynamik in der Fertigstellung neuer Gebäude, Straßen und Plätze, aber auch eine Dynamik darin, wie in der Seestadt auch Arbeitende und Wohnende selbst als Problemlöser*innen auftreten und Werkzeuge für einen einfacheren Alltag hier entwickeln. So erleichtert ein Beispiel aus der digitalen Welt seit vielen Jahren den Alltag der Seestädter*innen.


Philipp Naderer-Puiu - selbst ein waschechter Seestädter - entwickelte den Seestadtbot. Worum es sich dabei handelt, erzählt er hier im Video:



Die U2 ist nicht allein!

Philipp spricht es an: Der Öffentliche Verkehr in der Seestadt besteht nicht nur aus der violetten U2.

Heute, 2020, fahren sieben Buslinien aus allen Himmelsrichtungen die Seestadt an und verbinden sie mit dem Bezirk Donaustadt und den angrenzenden Gebieten. Und mit dem auto.BUS steht den Seestädter*innen auch eine mit autonomen Fahrzeugen betriebene Buslinie zwischen der U-Bahn Station und Gebieten am nordwestlichen Rand des Pionierquartiers zur Verfügung.

Insbesondere der 84A ist die „Seestadtlinie“. Der Bus pendelt zwischen den U-Bahn-Stationen "Seestadt" und der "Aspernstraße" (U2) und hat seine Stopps im südlichen Zentrum der Seestadt. Auch die Schnellbahnlinie S80 bietet ab Aspern Nord eine schnelle Verbindung ins Zentrum!

881 Buskilometer

sind Teil der Daten.

0%

der U-Bahn-Nutzer*innen fahren mit dem Bus zur U2 Aspernstraße

0%

der U-Bahn-Nutzer*innen starten von der Station Seestadt


ÖV-Angebot wächst mit

Mit dem Einzug der Bewohner*innen in das Quartier am Seebogen im Jahr 2021 und mit dem Wachsen weiterer Quartiere in Zukunft werden sich neue Wegoptionen im öffentlichen Verkehr eröffnen. So wird sich die Station "Aspern Nord" für neue Bewohner*innen in fußläufiger Entfernung befinden – hier wird eine frühzeitige attraktive Durchwegung der dazwischen liegenden Baustellenbereiche eine zentrale Rolle spielen.

Wie auch schon die Karte zuvor gezeigt hat, können Seestädter*innen auf ihrem Fußweg zur U-Bahn-Station „Seestadt“ verschiedene Routen wählen. Mal gefällt es dem See entlang besser, obwohl es ein bisschen länger ist. Manchmal hat man es eilig und wählt den direkten Weg durch die Fußgängerzone des Seeparkquartiers. Wie sich die Routenführung am See auf das Wohlbefinden des zu Fuß Gehenden auswirkt, kann im Teil 2 nachgelesen werden.

Und wieweit über die Stadtgrenze hinaus hat es wohl unsere Teilnehmer*innen aus der Mobilitätserhebung mit dem Fahrrad so verschlagen?

Mitwirkende
Autoren: Felix Becker, Christoph Kirchberger, Florian Pühringer, Isabel Stumfol
Website: Felix Becker
Datenaufbereitung: Florian Pühringer, Julia Dorner
Visualisierungen: Felix Becker, Lukas Philippovich
Interview & Video: Victoria Lainer, Lukas Philippovich

Wir bedanken uns besonders bei unseren Interviewpartner*innen:
Phillip Naderer-Puiu für den Seestadtbot,
Jan Lauth & Ilina Kokaleska für die Zeitkugeln

Quellen
U2-Varianten: Stadt Wien, Stadtentwicklung
ÖV-Haltestellen: Stadt Wien - https://data.wien.gv.at
Headervideo: Gebäudepolygone, Gewässer: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Mobilitätserhebung: Mobilitätspanel aspern Seestadt 2019

Abbildungen und Fotos
U-Bahn und Bahnsteig: © aspern.mobil LAB / Lukas Philippovich
U-Bahn Innenansicht: © Daniel Hawelka
Flederhaus und Zeitkugeln: © aspern.mobil LAB / Lukas Philippovich
U-Bahn Station und Autobusse: © aspern.mobil LAB / Christoph Kirchberger


Bei Fragen oder Anmerkungen kontaktieren Sie uns per E-Mail: storymaps@mobillab.wien

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